wenn ich rede
wenn ich rede fragen sich die alle wo kommt der denn her
sprich doch mal nicht so, gib doch das ding mal her
wenn ich rede denken die leute ich versteh das nicht
ich bin doch jetzt einer von euch, mann
ich red lieber nicht
wenn ich rede merk ich, ich bin anders als ihr
ihr redet besser als ich, ihr redet nicht mit mir
wenn ich rede denke ich, ey, ist doch okay
ich werd so wie ihr, das ist doch okay
wenn ich rede merke ich, jetzt bin ich so wie die
ich komm weiter so
das ist so wie nie
wenn ich rede merke ich, ich das bin ich nicht
ich kann das jetzt
aber ich will das nicht
wenn ich rede merke ich ihr könnt nur so
das kann ich jetzt auch
das andere kann ich sowieso

noch jemand wach hier
da stehen die leute, die auf den bus warten
sechs uhr neunundzwanzig
und die zeit ist nicht auf eurer seite
die zieht weiter
komm schon, bleib da
ist noch irgendjemand wach hier
will leben reden was geben
drei arbeiter die dreimal gähnen
irgendwas hindert sie am gehen
wacht mal auf liebe wohlstandskinder
gibt kein wohlstand immer
niemand der wohlstand bringen kann
klassen sind klassen sind die einen niemals durchlassen, sind die großen mauern, die hier weiter stehen,
sind die drei großeen schranken in euren köpfen, die wir sehen, sind das keinmal dagegen sein, einmal
dafür, sind das aufstehen, aufschreien, rausschreien, nicht bei dem scheiß dabei sein, sind die sieben
neuen häuser die ihr für eure freunde baut, sind die sachen die ihr nicht sehen wollt, denn ihr seid nur
drauf, sind die sorgen deiner mutter, was das mit dir wird, sind der stress deiner eltern wenn das mit dem
geld nicht funktioniert, sind die sieben unbezahlten praktika für die wir dankbar sind, danke dass wir da
sein dürfen bei den ganzen fehlern die wir mitbringen, sind das niemals durchgehen, niemals ankommen,
niemals aufbauen. lass mal weitergehen dicker kann dem allen hier grad nicht trauen.

safyah
safyah schwester bruder freund
eine seele eine ebene einen sommer
immer länger immer doller
frag doch nochmal
darfst bestimmt jetzt rausgehen
dich rausstehlen
nicht umdrehen
wenn wir rumhängen rumsitzen
reden lachen toben spielen
so werden die uns niemals kriegen
niemals alt niemals so
niemals werden die wissen wo
safyah lass mal rausgehn

der junge, der noch werden muss
das geht alles durch dich durch, das ganze gelaber.
aber auch wenn du es wegschiebst tut es was mit dir.
alle reden auf dich ein, sagen hör auf, lass das, mach das nicht. du bist nur am lügen. niemand weiß wie wo wann du was machst. niemand kann dir glauben weil du allen was anderes erzählst. selbst deinem bruder, nicht mal der weiß wie wo was mit dir. du findest das ganz gut, hast keine lust zu reden, die reinzulassen, denen zu zeigen wie wo was warum. warum auch? wer sind die schon, was machen die schon, wo leben die schon. die sind nicht du, die verstehen es eh nicht. also raus. und erstmal nicht zurück. ab zu den typen auf dem spielplatz, da rumhängen. ist doch okay. die sind alle vier fünf jahre älter aber nerven dich nicht.
du bist der junge, der noch werden muss.
die sind schon. aber das ist okay für euch alle. du machst trotzdem mit, scheiß auf die anderen. die wissen nicht wer wie wo was warum. kann dir auch egal sein, du bist grade auf dem spielplatz.

stell dir mal vor
wir hauen hier ab. wir fahren die ganze nacht. einmal in die ubahn und die hält nicht an, fährt einfach weiter.
wir steigen aus und alle sprechen anders, alle gehen anders, riechen anders. wir sprechen das auch, einfach so. mussten nichts lernen, können das schon. stell dir mal vor das geht. wir gehen einfach, einfach so, einfach weg. da ist alles anders, alles grün. die wände, häuser, pflanzen sind alle grün und alle gucken uns an. nicht blöd oder so, nur neugierig. und ein paar von denen sind rot. die sehen lustig aus. und immer gibts sterne. wenn du nach oben guckst ist es hell aber da sind trotzdem sterne, so kleine, noch hellere punkte. viele. die gucken auch, aber nicht blöd, eher so neugierig, wer seid ihr denn. die haben keine farbe, sind einfach hell. wie der pallas abends im sommer wenns noch nicht ganz dunkel ist aber die lichter schon an.
stell dir mal vor wir würden hier leben und nicht da. nicht in der stadt mit den tausend menschen, tausend opfern, tausend schreiern. wo es kein wasser gibt, keine hellen sterne, keine grünen häuser die gucken. stell dir mal vor wir würden hier leben und nicht da.
für die ubahn zurück gibts schienenersatzverkehr.

meine jungs
meine jungs sind stark schwach kalt warm
dunkle blicke haben charme
wissen nicht wohin mit sich
fangen sich auf, aneinander
sind da füreinander
meine jungs sind wenige enge
viele ferne
keine fremde
meine jungs sind viele mädchen
die ich kenn
mit denen ich häng
die sagen was los bruder
ich sag was los du da
mütze auf, taschen voll
komm mal rüber

was los ich bin einer von fünf stadtjungen
die hier rumlungern
und du mit deinen drei kleinen namen
willst mir irgendwas sagen
aber ich stell mich hier hin und fang an zu fragen

and is it good for all or good for nothing?
three tinfoil dreams ago you saw it coming. three tinfoil dreams ago you saw them laughing. during the wake nights and the boredom, during the wanting to have some more done. now it’s time to stand up, tall, say it all. in their faces and down their throats. shut em up, boy, shut em up. move, stall, move. forward it goes.
there’s only so much you can do in a day, and so little to be done in a night. there’s selfish whisperers waiting with their minds aching. remember that time you were watching the rain turn cold. why not be bold? in this mess and this grit, toying the sick, pleasing the rich. you’ve had it. now dodge their traps, and read their codes. speak to the young, and listen to the old. eye for eye, until they fold. how about beating the system. how about leaving it to them.
they keep on holding you down, boy, they keep on holding you down. keep on dragging you back to those blue nights, keep on pushing you over because they know you won’t last their spite. won’t get up after the fight. looking back at those three tinfoil dreams, you realise whatever’s ahead won’t be bright.
still believing
it’s okay to be not quite right.

und dann warst du zwei jahre lang traurig
und helfen konnt ich auch nicht

ich war schwimmen
fliegen
tanzen
liegen
ich war draußen
drinne
immer
dünne
ich hab mit zwei guten freunden auf den dächern gelegen
was gelesen
bin wach gewesen
hab einen typen im bus gesehen der hatte überall wunden
hat gestunken
sich betrunken
mann ich hab drei leere handys auf der straße gefunden, hab ein paar mal nachts zu viel getrunken, bin mit vier leuten morgens auf die türme geklettert, hab die ubahn nochmal gesehen bevor sie weg war, bin mit dem rad sieben lange berge runtergefahren, hab typen von früher getroffen die sind jetzt ganz normal, dachte für einen moment so fühlt sich’s richtig an, dachte hallo alter endlich ein mann. hab geraucht und geküsst, hab getanzt und geschwitzt, hab gelacht und gewollt, mann das leben ist gold. hab endlich aufgehört nur scheiße zu bauen, hab angefangen leuten zu vertrauen, hab keine dreißig masken mehr um mich rum, hab kein geld aber da gehts nicht drum, hab ohne ende leute hier die mir gefallen, hab alles was ich wollte diesen sommer.
die schreier waren nicht dabei.

die drei dinge die du in mir siehst
sind nur gelogen
bin nicht von hier, komm nicht von oben
hab nicht die sieben sachen nach denen du suchst in meinem kopf
werd nicht bleiben können, will nicht hier sein oder dort
guck mal da drüben steht doch einer der das alles kann was du willst
einer der leuchtet
und nicht so trübes lachen hat wie ich
einer mit ein bisschen leben in den graublauen augen unter den blonden haaren
guck den kannst du haben
jetzt geh mal lieber weg hier, sonst verschätzt du dich
bin nicht die hoffnung die du suchst mann, ich bin nicht das licht
bin einer mit schwarzen gedanken und ein paar grauen träumen
bin einer der kann nichts mehr leugnen
bin die wut der straße und die blicke der bleichen kinder
wenn sonst keiner stehen bleibt, mann dann bin ich da
bin einer der die stadt gegessen hat, nicht umgekehrt
bin nicht zu vertrauen mann, ich bin nichts wert
bin das schreien gegen die reichen und die großen und die starken
bin das weggehen hier, kann nicht warten, kann nicht atmen
bin das rauchen um drei uhr morgens mann und das nichtschlafen
bin geblendet von den lichtern eurer blank gefegten straßen

trägst drei dicke panzer die dir helfen durch den tag
die dir sagen wo du lang gehn musst wenn mal einer fragt
die dir sagen endlich ein wochenende mal keine ubahn fahren
ey das ist bei anderen alles ganz normal
bei den ganzen goldenen dächern und den goldenen leuten
kein sinn mehr die noch länger zu leugnen
neu-schöneberg immobilien entwicklungsprojekte deine mutter
schaust dich um und kommst darauf nicht klar
kapuzenpulli auf, geh raus
geh jetzt runter
halt dich fest mann wir gehn nicht unter
gehn nicht raus aus der stadt, egal wer das meint
weil wir wissen wo im kleistpark am längsten die sonne scheint
und du hattest noch gesagt wir sehen uns im september
und dann wirst du endlich sprüher
aber ich weiß du haust doch nur wieder ab
genau so wie früher

eht ihr die typen da
ich glaub die sind das
die haben sich was eingepackt
hatten noch in ihrer bauchtasche platz
aber bleib mal ruhig jetzt lieber
komm mach mal langsam
halt deine hand auf
ich geb dir was davon
gibt genug für alle
und ich weiß wie man sich’s nimmt
pack dir was ein
irgendwann brauchst du das bestimmt
eastpak auf und jetzt lauf und geh weiter
wenn du noch mehr willst
musst du dem da hinten bescheid sagen
und sag den anderen die sollen sich auch was nehmen
ein stück umsonst von unserem kacksystem

wenn da sieben leute stehen und mir sagen
du wirst versagen junge
nehm ich das an
oder teil ich aus
hab respekt vor euch opfern
oder mach was draus
nur weil ich
stehle lüge
und betrüge
nur weil ich über die von oben lache
und was ich in meinem kopf hab wahrmache
ich bin keiner von euch in dieser gesellschaft
bin keiner von euch in dieser welt mann
will keine hilfe von außen
und wenn du nicht aufpasst
werd ich weglaufen
ich kann schreien prügeln
bomben geben und bomben fangen
abhauen jetzt und nicht irgendwann
ich hör nicht auf sondern fang grad erst an
und deine leeren sätze in meinem blassen gesicht
brauch ich nicht
denn ich weiß
meine worte
die euch sonst so

wenn ich rede
wenn ich rede fragen sich die alle wo kommt der denn her
sprich doch mal nicht so, gib doch das ding mal her
wenn ich rede denken die leute ich versteh das nicht
ich bin doch jetzt einer von euch, mann
ich red lieber nicht
wenn ich rede merk ich, ich bin anders als ihr
ihr redet besser als ich, ihr redet nicht mit mir
wenn ich rede denke ich, ey, ist doch okay
ich werd so wie ihr, das ist doch okay
wenn ich rede merke ich, jetzt bin ich so wie die
ich komm weiter so
das ist so wie nie
wenn ich rede merke ich, ich das bin ich nicht
ich kann das jetzt
aber ich will das nicht
wenn ich rede merke ich ihr könnt nur so
das kann ich jetzt auch
das andere kann ich sowieso

noch jemand wach hier
da stehen die leute, die auf den bus warten
sechs uhr neunundzwanzig
und die zeit ist nicht auf eurer seite
die zieht weiter
komm schon, bleib da
ist noch irgendjemand wach hier
will leben reden was geben
drei arbeiter die dreimal gähnen
irgendwas hindert sie am gehen
wacht mal auf liebe wohlstandskinder
gibt kein wohlstand immer
niemand der wohlstand bringen kann
klassen sind klassen sind die einen niemals durchlassen, sind die großen mauern, die hier weiter stehen,
sind die drei großeen schranken in euren köpfen, die wir sehen, sind das keinmal dagegen sein, einmal
dafür, sind das aufstehen, aufschreien, rausschreien, nicht bei dem scheiß dabei sein, sind die sieben
neuen häuser die ihr für eure freunde baut, sind die sachen die ihr nicht sehen wollt, denn ihr seid nur
drauf, sind die sorgen deiner mutter, was das mit dir wird, sind der stress deiner eltern wenn das mit dem
geld nicht funktioniert, sind die sieben unbezahlten praktika für die wir dankbar sind, danke dass wir da
sein dürfen bei den ganzen fehlern die wir mitbringen, sind das niemals durchgehen, niemals ankommen,
niemals aufbauen. lass mal weitergehen dicker kann dem allen hier grad nicht trauen.

safyah
safyah schwester bruder freund
eine seele eine ebene einen sommer
immer länger immer doller
frag doch nochmal
darfst bestimmt jetzt rausgehen
dich rausstehlen
nicht umdrehen
wenn wir rumhängen rumsitzen
reden lachen toben spielen
so werden die uns niemals kriegen
niemals alt niemals so
niemals werden die wissen wo
safyah lass mal rausgehn

der junge, der noch werden muss
das geht alles durch dich durch, das ganze gelaber.
aber auch wenn du es wegschiebst tut es was mit dir.
alle reden auf dich ein, sagen hör auf, lass das, mach das nicht. du bist nur am lügen. niemand weiß wie wo wann du was machst. niemand kann dir glauben weil du allen was anderes erzählst. selbst deinem bruder, nicht mal der weiß wie wo was mit dir. du findest das ganz gut, hast keine lust zu reden, die reinzulassen, denen zu zeigen wie wo was warum. warum auch? wer sind die schon, was machen die schon, wo leben die schon. die sind nicht du, die verstehen es eh nicht. also raus. und erstmal nicht zurück. ab zu den typen auf dem spielplatz, da rumhängen. ist doch okay. die sind alle vier fünf jahre älter aber nerven dich nicht.
du bist der junge, der noch werden muss.
die sind schon. aber das ist okay für euch alle. du machst trotzdem mit, scheiß auf die anderen. die wissen nicht wer wie wo was warum. kann dir auch egal sein, du bist grade auf dem spielplatz.

stell dir mal vor
wir hauen hier ab. wir fahren die ganze nacht. einmal in die ubahn und die hält nicht an, fährt einfach weiter.
wir steigen aus und alle sprechen anders, alle gehen anders, riechen anders. wir sprechen das auch, einfach so. mussten nichts lernen, können das schon. stell dir mal vor das geht. wir gehen einfach, einfach so, einfach weg. da ist alles anders, alles grün. die wände, häuser, pflanzen sind alle grün und alle gucken uns an. nicht blöd oder so, nur neugierig. und ein paar von denen sind rot. die sehen lustig aus. und immer gibts sterne. wenn du nach oben guckst ist es hell aber da sind trotzdem sterne, so kleine, noch hellere punkte. viele. die gucken auch, aber nicht blöd, eher so neugierig, wer seid ihr denn. die haben keine farbe, sind einfach hell. wie der pallas abends im sommer wenns noch nicht ganz dunkel ist aber die lichter schon an.
stell dir mal vor wir würden hier leben und nicht da. nicht in der stadt mit den tausend menschen, tausend opfern, tausend schreiern. wo es kein wasser gibt, keine hellen sterne, keine grünen häuser die gucken. stell dir mal vor wir würden hier leben und nicht da.
für die ubahn zurück gibts schienenersatzverkehr.

meine jungs
meine jungs sind stark schwach kalt warm
dunkle blicke haben charme
wissen nicht wohin mit sich
fangen sich auf, aneinander
sind da füreinander
meine jungs sind wenige enge
viele ferne
keine fremde
meine jungs sind viele mädchen
die ich kenn
mit denen ich häng
die sagen was los bruder
ich sag was los du da
mütze auf, taschen voll
komm mal rüber

und dann warst du zwei jahre lang traurig
und helfen konnt ich auch nicht

ich war schwimmen
fliegen
tanzen
liegen
ich war draußen
drinne
immer
dünne
ich hab mit zwei guten freunden auf den dächern gelegen
was gelesen
bin wach gewesen
hab einen typen im bus gesehen der hatte überall wunden
hat gestunken
sich betrunken
mann ich hab drei leere handys auf der straße gefunden, hab ein paar mal nachts zu viel getrunken, bin mit vier leuten morgens auf die türme geklettert, hab die ubahn nochmal gesehen bevor sie weg war, bin mit dem rad sieben lange berge runtergefahren, hab typen von früher getroffen die sind jetzt ganz normal, dachte für einen moment so fühlt sich’s richtig an, dachte hallo alter endlich ein mann. hab geraucht und geküsst, hab getanzt und geschwitzt, hab gelacht und gewollt, mann das leben ist gold. hab endlich aufgehört nur scheiße zu bauen, hab angefangen leuten zu vertrauen, hab keine dreißig masken mehr um mich rum, hab kein geld aber da gehts nicht drum, hab ohne ende leute hier die mir gefallen, hab alles was ich wollte diesen sommer.
die schreier waren nicht dabei.

was los ich bin einer von fünf stadtjungen
die hier rumlungern
und du mit deinen drei kleinen namen
willst mir irgendwas sagen
aber ich stell mich hier hin und fang an zu fragen

and is it good for all or good for nothing?
three tinfoil dreams ago you saw it coming. three tinfoil dreams ago you saw them laughing. during the wake nights and the boredom, during the wanting to have some more done. now it’s time to stand up, tall, say it all. in their faces and down their throats. shut em up, boy, shut em up. move, stall, move. forward it goes.
there’s only so much you can do in a day, and so little to be done in a night. there’s selfish whisperers waiting with their minds aching. remember that time you were watching the rain turn cold. why not be bold? in this mess and this grit, toying the sick, pleasing the rich. you’ve had it. now dodge their traps, and read their codes. speak to the young, and listen to the old. eye for eye, until they fold. how about beating the system. how about leaving it to them.
they keep on holding you down, boy, they keep on holding you down. keep on dragging you back to those blue nights, keep on pushing you over because they know you won’t last their spite. won’t get up after the fight. looking back at those three tinfoil dreams, you realise whatever’s ahead won’t be bright.
still believing
it’s okay to be not quite right.

die drei dinge die du in mir siehst
sind nur gelogen
bin nicht von hier, komm nicht von oben
hab nicht die sieben sachen nach denen du suchst in meinem kopf
werd nicht bleiben können, will nicht hier sein oder dort
guck mal da drüben steht doch einer der das alles kann was du willst
einer der leuchtet
und nicht so trübes lachen hat wie ich
einer mit ein bisschen leben in den graublauen augen unter den blonden haaren
guck den kannst du haben
jetzt geh mal lieber weg hier, sonst verschätzt du dich
bin nicht die hoffnung die du suchst mann, ich bin nicht das licht
bin einer mit schwarzen gedanken und ein paar grauen träumen
bin einer der kann nichts mehr leugnen
bin die wut der straße und die blicke der bleichen kinder
wenn sonst keiner stehen bleibt, mann dann bin ich da
bin einer der die stadt gegessen hat, nicht umgekehrt
bin nicht zu vertrauen mann, ich bin nichts wert
bin das schreien gegen die reichen und die großen und die starken
bin das weggehen hier, kann nicht warten, kann nicht atmen
bin das rauchen um drei uhr morgens mann und das nichtschlafen
bin geblendet von den lichtern eurer blank gefegten straßen

trägst drei dicke panzer die dir helfen durch den tag
die dir sagen wo du lang gehn musst wenn mal einer fragt
die dir sagen endlich ein wochenende mal keine ubahn fahren
ey das ist bei anderen alles ganz normal
bei den ganzen goldenen dächern und den goldenen leuten
kein sinn mehr die noch länger zu leugnen
neu-schöneberg immobilien entwicklungsprojekte deine mutter
schaust dich um und kommst darauf nicht klar
kapuzenpulli auf, geh raus
geh jetzt runter
halt dich fest mann wir gehn nicht unter
gehn nicht raus aus der stadt, egal wer das meint
weil wir wissen wo im kleistpark am längsten die sonne scheint
und du hattest noch gesagt wir sehen uns im september
und dann wirst du endlich sprüher
aber ich weiß du haust doch nur wieder ab
genau so wie früher

eht ihr die typen da
ich glaub die sind das
die haben sich was eingepackt
hatten noch in ihrer bauchtasche platz
aber bleib mal ruhig jetzt lieber
komm mach mal langsam
halt deine hand auf
ich geb dir was davon
gibt genug für alle
und ich weiß wie man sich’s nimmt
pack dir was ein
irgendwann brauchst du das bestimmt
eastpak auf und jetzt lauf und geh weiter
wenn du noch mehr willst
musst du dem da hinten bescheid sagen
und sag den anderen die sollen sich auch was nehmen
ein stück umsonst von unserem kacksystem

wenn da sieben leute stehen und mir sagen
du wirst versagen junge
nehm ich das an
oder teil ich aus
hab respekt vor euch opfern
oder mach was draus
nur weil ich
stehle lüge
und betrüge
nur weil ich über die von oben lache
und was ich in meinem kopf hab wahrmache
ich bin keiner von euch in dieser gesellschaft
bin keiner von euch in dieser welt mann
will keine hilfe von außen
und wenn du nicht aufpasst
werd ich weglaufen
ich kann schreien prügeln
bomben geben und bomben fangen
abhauen jetzt und nicht irgendwann
ich hör nicht auf sondern fang grad erst an
und deine leeren sätze in meinem blassen gesicht
brauch ich nicht
denn ich weiß
meine worte
die euch sonst so

Oktober 2020

neu-schöneberg immobilien entwicklungs­projekte deine mutter

Paul Hutchinson, Künstler aus Berlin, arbeitet mit Bild und Text. Er beguckt und beschreibt Großstadt heute. Seine Themen: Klassen und Unterschiede, Chancen und Ungleichheit. Seine Motive: Fragiles, Brutales, Triviales, Markantes, Orte, Nicht-Orte, Natur, Unnatur, Abhänger, Rumstreuner, Aggros, Schnorrer, Grillhähnchen. Seine Sprache: Kiezpoesie (eigen, fein, stark).

Paul Hutchinson, Kind einer deutsch-irischen Familie aus Berlin. Heute Fotograf und Autor. Seine Bücher „Texte und Bilder“ und „Stadt für Alle“ sind im Distanz-Verlag erschienen. Er vertont und performt seine Texte auch.


www.paul-hutchinson.com Instagram 

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