MK:

Revisiting Kammerspiele

Tagung zu Theater, deutsch-jüdischer Geschichte und NS-Erbe

 Studiobühne & Werkraum
 8. & 9.10.2026
 Deutsch
 Kostenlose Anmeldung unter: kammerspiele@lrz.uni-muenchen.de
 Studiobühne & Werkraum
 8. & 9.10.2026
 Deutsch
 Kostenlose Anmeldung unter: kammerspiele@lrz.uni-muenchen.de

Im Oktober feiern die Münchner Kammerspiele 100 Jahre im Schauspielhaus in der Maximilianstraße – aber, was oder wen gibt es aus historischer Sicht zu feiern? Die Tagung blickt auf die Geschichte der Kammerspiele in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und diskutiert sie im Kontext einer ambivalenten wie gewaltvollen deutschsprachigen (Theater)Geschichte.

Gegründet als Privattheater von jüdischen Unternehmerfamilien spiegeln die Kammerspiele exemplarisch eine deutsch-jüdische Theaterkultur, die um 1900 prosperierte und auch die avancierten Theaterexperimente der Weimarer Zeit mit prägte. Im Nationalsozialismus wurde diese Kultur ausgelöscht, ihre Akteure verfolgt und ermordet, deren Infrastrukturen nationalsozialistisch angeeignet. Nach 1945 waren die vormaligen Verflechtungen deutsch-jüdischer Kultur nur als „negative Symbiose“ (Hannah Arendt) zu denken. Personelle und ideologische Kontinuitäten, Antisemitismus und Schuldabwehr prägten auch die Theater der frühen Nachkriegszeit. Expert*innen der Theater- und Musikwissenschaft, der Jüdischen Geschichte und Antisemitismusforschung diskutieren gemeinsam mit Theaterpraktiker*innen ihre Perspektiven auf diese (Theater)Geschichte. Diese weisen über die Geschichte der Kammerspiele im engeren Sinn hinaus und in die Kultur- und Ideenlandschaft des 20. Jahrhunderts wie auch hinein in die Gegenwart: wie erinnern, was befragen wir 2026?

Ziel der Tagung ist also einerseits, die Geschichte der Kammerspiele erstmalig interdisziplinär und stichprobenartig (etwa ausgehend von Materialien aus den Archiven) zu beleuchten. Andererseits diese Geschichte in den größeren Horizont der deutschsprachigen Theaterlandschaft und -infrastruktur des 20. Jahrhunderts zu betten oder – umgekehrt – von dort aus zu perspektivieren. Theater zeigt sich dabei als Raum von Handlungsmacht wie Bedrängnis zugleich, als Mittel gesellschaftlichen Dialogs wie als Infrastruktur von Verfolgung und Ideologisierung.

#1 Kammerspiele revisited
Do 8.10. | studiobühne (twm)
9:30
Eröffnung | Grußwort des Kulturreferenten Marek Wiechers
Barbara Mundel, Meike Wagner, Marek Wiechers
9:45
Theater, deutsch-jüdische Geschichte und NS-Erbe
Theresa Eisele
#2 Um 1926: Theaterkultur der Weimarer Republik in Transition
Do 8.10. | studiobühne (twm)
10:15
Vom Würstelprater zu den Kammerspielen. Eugen Robert, jüdisches Populärtheater und die Leerstellen der Münchner Theatergeschichte
Horizont Theaterlandschaft | Susanne Korbel (Centrum für Jüdische Studien Graz/Central European University)
10:45
Pause
11:00
Neu erschlossen, neu befragt – der Nachlass Otto Falckenbergs im Deutschen Theatermuseum. Erkenntnispotentiale und Forschungsfragen
Horizont Theaterlandschaft | Beatrice Wichmann (Deutsches Theatermuseum München)
11:30
Theater zwischen Demokratisierung und Kulturkampf – Leopold Jessners Intendanz und Schulprogramm
Horizont Theaterlandschaft | Wolf-Dieter Ernst (Universität Bayreuth)
12:00
Mittagspause
#3 1933–1945: Nationalsozialistische Theaterlandschaft
Do 8.10. | studiobühne (twm)
13:30
Citizen Humanities am NS-Erbe – oder: Geschichte als Biografiearbeit
Podium | Gespräch zwischen Janne und Klaus Weinzierl (MK Schicksale), Johannes Spohr (presentpast Berlin) und Meike Wagner (LMU München)
14:30
Neue Kammerspiele GmbH, 1933/34
Aus dem Archiv | Paul-Moritz Rabe (NS Dokumentationszentrum München)
14:45
Linientreu neu aufgestellt in unmittelbarer Nachbarschaft der Kammerspiele: Die Bayerische Staatsoper als Flaggschiff des NS-Theatersystems
Horizont Theaterlandschaft | Rasmus Cromme (LMU München)
15:15
Intimate Bonds of Dependency. „Mischehen“ im Visier der NS-Kulturpolitik
Horizont Theaterlandschaft | Michaela Raggam-Blesch (Institut für Zeitgeschichte München-Berlin)
15:45
Pause
16:30
Führung durch das Schauspielhaus
Barbara Mundel & Hannah Saar (Münchner Kammerspiele, Treffpunkt Bühnenpforte, Falckenbergstraße 2)
17:30
Ornament und Abrissbirne – Zur Baugeschichte der Münchner Kammerspiele
Lecture & Gespräch mit Esther Slevogt (Autorin, Berlin)
20:00 Schauspielhaus (MK)
Theaterbesuch: Danton
Hinweis: Ermäßigte Tickets erhalten Sie mit Anmeldung
Details
#4 Nach 1945: (Ver)Schweigen, (Auf)Bau und Rückkehr
Fr 9.10. | studiobühne (twm)
10:00
Danton 1926/2026
Aus dem Archiv | Anna Laner (MK Dramaturgie)
10:15
Arbeit an der Gegenwart, Spiel mit Geschichte: Danton zwischen den Zeiten
Podium | Gespräch zwischen Anna Laner (MK), Pina Bergemann (Post Paradies), Sabrina Kanthak (Deutsches Theatermuseum) und und Theresa Eisele (LMU)
11:15
Pause
11:45
Schweigen auf Tonband. Die Werkraumgespräche der 1960er Jahre
Aus dem Archiv | Birgit Haberpeuntner & Elias Berner
12:00
Fest und Vergangenheit. Die Wiedereröffnungen Münchner und Wiener Bühnen nach 1945
Horizont Theaterlandschaft | Birgit Haberpeuntner (Universität für angewandte Kunst), Elias Berner (Österreichische Akademie der Wissenschaften)
12:30
Kultur oder „Kultur“? Zur Dokumentargeschichtsschreibung von Joseph Wulf
Horizont Theaterlandschaft | Nicolas Berg (Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow)
13:00
Mittagspause
14:30
Applaus und Antisemitismus. Fritz Kortner, das deutsche Theater und die nationalsozialistische Vergangenheit
Horizont Theaterlandschaft | Stefan Hofmann (Universität Frankfurt)
15:00
Blackbox Werkraumtheater
Horizont Theaterlandschaft | Jan Lazardzig (Freie Universität Berlin)
15:30
Pause
#5 Theater, NS-Erbe und deutsch-jüdische Geschichte – was jetzt?
Fr 9.10. | Werkraum (MK)
16:00
Historizität von Gegenwart: Kulturinstitutionen und ihr NS-Erbe
Podiumsgespräch mit Barbara Mundel (Münchner Kammerspiele), Wolf-Dieter Ernst (Uni Bayreuth), Dorothea Volz (Deutsches Theatermuseum), Meike Wagner (LMU München), Esther Slevogt (Autorin, Berlin), moderiert von Hannah Saar (Münchner Kammerspiele)
19:30
Die Lüge in der Wahrheit suchen – Antisemitismus in den Künsten
Buchvorstellung von Stella Leder und Eva Marburg (Institut für Neue Soziale Plastik)
Details
Eine Tagung der Theaterwissenschaft München und der Münchner Kammerspiele, gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München.
Werkraum
Die Lüge in der Wahrheit suchen
Antisemitismus in den Künsten

Buchpremiere mit Stella Leder und Eva Marburg