What is the city?

Digitale Akademie zur Zukunft der Stadt

Dezember 2020

Bye Bye Öffentlicher Raum

… denn die Zukunft ist bereits da – sie ist nur noch nicht gleichmäßig verteilt. Der Philosoph Armen Avanessian will deshalb zukünftiges Wissen in unser gegenwärtiges Handeln integrieren. Was bedeutet das für die Städte, in denen wir leben werden – und was für die Theater?

Dass Kommunen gerade angesichts der extremen Verwerfungen der Corona-Zeit nicht ihre ganze Politik dem Spardiktat der Gewerbesteuereinbrüche unterordnen müssen, sondern gerade jetzt antizyklisch handeln können, legt Veronica Kaup-Hasler, die Kulturstadträtin der Stadt Wien, in dieser vierten Folge unserer gemeinsam mit der Süddeutschen Zeitung veranstalteten Debattenreihe WHAT IS THE CITY eindrucksvoll dar: Anders als viele andere Städte fährt Wien in Zeiten der Not die Ausgaben nämlich gerade nicht zurück, sondern tut das glatte Gegenteil: Im Corona-Jahr erhöht sie ihren Kulturetat um unglaubliche 10,3%. Und da hört´s nicht auf: Die Stadt hat bereits angekündigt, den Kulturetat im nächsten Jahr noch einmal um weitere 10,3% zu steigern. Und als wäre das alles noch nicht sensationell genug, hat Veronica Kaup-Hasler auch gleich noch mit dem Wiener Kultursommer ein neues Festival erfunden, um Freie Künstler*innen zu unterstützen. Kulturpolitik@Corona? So!

Mehr Geld für die Kultur, jetzt!

Können andere Städte davon lernen? Und ob! Eva Mair-Holmes vom Trikont-Musikverlag überlegt, spontan nach Wien auszuwandern, fordert dann aber doch die Rückbesinnung auf die eigenen Stärken, und von der Stadt vor allem Gestaltungsspielraum für innovative Formate. Und Ute Gröbel vom hochX sieht jetzt die Chance, endlich die grundlegenden strukturellen Änderungen durchzuführen, die ohnehin längst fällig sind – denn da gerade niemand spielen kann, haben ja alle Zeit dafür. Ein Produktionshaus für die Freie Szene zum Beispiel wär nicht schlecht.

Denn wenn Ingolfuhr Blühdorn recht hat, entscheidet sich jetzt die Zukunft der Städte, in denen wir leben. Die klügeren unter ihnen bauen gerade jetzt ihre Kultur aus, um auch in 30 Jahren noch Kulturstädte zu sein – Wien, Hamburg, Dortmund. Und München? Hier werden Kürzungsszenarien diskutiert, die auf eine langfristige Halbierung der künstlerischen Etats hinauslaufen. Und die wenigen Prozentpunkte, die bei der Kultur gespart werden können, führen sehr schnell zu einer kulturellen Brache: Wenn man 10 % eines Baumes abschneidet, hat der ja nicht 10 % weniger grün, sondern keine Stamm mehr, denn 90% eines Baumes, seine Struktur, befinden sich unsichtbar unter der Erde. 6,5% Kürzung quer durch die Kulturlandschaft bedeuten da nicht den einen oder anderen Baum weniger im Wald, sondern einen Kahlschlag: Da sind dann nur noch lauter Stümpfe, wo mal Grün war.

What is the city?

In der Reihe WHAT IS THE CITY? beschäftigen wir uns mit der Frage, in welcher Stadt wir leben wollen. Denn „jetzt werden die Entscheidungen getroffen, die unser Leben für die nächsten 30 Jahre bestimmen – und womöglich weit darüber hinaus", wie Ingolfur Blühdorn schreibt. Wenn aber jetzt die Entscheidungen über die Zukunft der Städte fallen, in denen wir leben – was sind dann die Kriterien, nach denen wir so weitreichende Entscheidungen treffen wollen? Und wie können wir heute die Maßstäbe entwickeln, um da auch hinzukommen?

  • Impuls von Armen Avanessiann
  • Dezember 2020

Morgen schon an heute denken

… denn die Zukunft ist bereits da – sie ist nur noch nicht gleichmäßig verteilt. Der Philosoph Armen Avanessian will deshalb zukünftiges Wissen in unser gegenwärtiges Handeln integrieren. Was bedeutet das für die Städte, in denen wir leben werden – und was für die Theater?

  • Politpodium mit Katrin Habenschaden, Jón Gnarr, Viola Hasselberg, Armen Avanessian, Moderation: Alex Rühle
  • Dezember 2020

In welcher Stadt werden wir leben wollen?

Unser Politpodium über die Zukunft der Städte klärt, warum wir die neue Situation nicht als Krise bezeichnen sollten, warum dies die Zeit der Parlamente ist, wo überhaupt unsere kommunalen Handlungsspielräume liegen – und wieso ausgerechnet ein Philosoph eine ganz praktische Lösung für die kommunale Finanznot hat.

  • Gespräch über das Verschwinden des öffentlichen Raumes mit Márton Gergely, Caroline von Lowtzow, Harald Staun, Moderation: Alexandra Föderl-Schmid
  • Dezember 2020

Democracy Dies in Darkness

Verstörende Einblicke in die Realität der Meinungsfreiheit in Ungarn liefert der Journalist Márton Gergely in diesem Gespräch. Wie schnell eine funktionierende Medienlandschaft auch in Deutschland kippen kann, ist die Frage.

  • Gespräch mit Ute Gröbel, Veronica Kaup-Hasler und Eva Mair-Holmes darüber, wie man´s auch machen kann. Moderation: Harald Wolff
  • Dezember 2020

Bye Bye Öffentlicher Raum

Natürlich gibt es Handlungsspielräume, auch in Zeiten knappster Kassen! Man darf sich nur nicht kirre machen lassen, sondern muss auf die eigenen Stärken gucken. Angekündigt als ein Gespräch über das Verschwinden des öffentlichen Raumes durch den Kahlschlag in der Kulturlandschaft, geht gerade von einem Podium der Kulturschaffenden ein überraschend starkes Aufbruchssignal auf.

  • Gespräch über die Zukunft der Kulturpolitik mit Katrin Habenschaden,
    Veronica Kaup-Hasler und Carsten Brosda. Moderation: Alex Rühle in Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung
  • Januar 2021

Die Zukunft der Kulturpolitik

Wir müssen nicht sparen, wir brauchen klügere Schuldenbremsen, um die Voraussetzungen zu schaffen für künftige Generationen. Die Beschädigungen des öffentlichen Raumes, die wir im Moment in Kauf nehmen, bestärken eine Entwicklung, die seit über 30 Jahren anhält. Aber jetzt wird überdeutlich, was das für eine Gesellschaft bedeutet. Zeit, umzukehren.