Januar 2021

Was tust du?

Wir wollen etwas Klarheit, Liebe und Inspiration in die neue, zermürbende Situation bringen. Deshalb stellen wir Zeitgenoss*innen wie dir zehn Fragen.

Deine Antworten bitte hierhin: hallo@dieneuesituation.de

Was tust du?

Seit langem mal faulenzen.

Was lässt du?

Fast alles.

Was isst du?

Morgens Haferflocken, abends Linsensuppe.

Was liest du?

Markus Gabriel: Fiktionen

Was hasst du?

Hass zerfrisst die Seele.

Was liebst du?

Yoga, Tee, Kerzenlicht & Bücher.

Was nimmst du?

Ich nehme von der Vorgabe.

Was gibst du?

„Je me donne“, Édith Piaf

Wohin gehst du?

Amor Fati

Was geht gar nicht?

Wer nicht will, findet Gründe; wer will, findet Wege.

Extrafrage: „Die Wirklichkeit nicht in Ruhe lassen“. Was heißt das für dich?

Welche Wirklihkeit? "We should imagine the nature of the universe as created by mind alone”(Teachings of the Buddha)

Ulrike Guérot, 56, Professorin für Politikwissenschaft und Gründerin des European Democracy Lab e.V., Berlin

Was tust du?

Gerade knete ich brav meine Anti-Stress Gurke, die mir meine Schwester (Kinder- und Jugend-Psychotherapeutin) zu Weihnachten geschenkt hat.

Was lässt du?

Hoffnungslosigkeit, Resignation, Frust, Angst!

Was isst du?

Gerade und sowieso eigentlich sehr häufig: Hüttenkäse

Was liest du?

(u.a.) Lann Hornscheidts und Lio Oppenländers Exit Gender sowie Paul B. Preciados TESTO Junkie

Was hasst du?

Das Patriarchat, die nur schwer zu erschütternde Arroganz des westlichen, weißen, männlichen, un-›behinderten‹, monogamen, heterosexuellen Menschen

Was liebst du?

Mein Polycule/meine Sorgegemeinschaft

Was nimmst du?

Einen täglichen Energieschub durch eine Stunde Taekwondo

Was gibst du?

Beth Hart zitierend: I give it everything I got!

Wohin gehst du?

Dauerunruhig wie ich bin, gehe ich in diesem Jahr gleich zu mehrerem, nämlich zielstrebig zum 1. Dan (Schwarzgurt) im Taekwondo, zu meinem vierten Buch (über eine inklusive Ethik der Gefährt*innenschaft in den Wissensräumen; in academic terms die Habilitation) und ins Kino – bzw. auf die Kinoleinwand (siehe Wer Wir Waren von Marc Bauder).

Was geht gar nicht?

Rohe Leber, die ich als kleines Kind fatalerweise einmal mit Schokoladenpudding verwechselt habe

Extrafrage: „Die Wirklichkeit nicht in Ruhe lassen“. Was heißt das für dich?

In meinen Augen ergibt das Sinn. Denn für das (für die), was (die) mir wichtig ist (sind), gehe ich die weitesten Wege, zeige ich den meisten Einsatz, bin ich bereit, den größten Preis zu zahlen. Die Wirklichkeit gehört dazu. Sie nicht in Ruhe zu lassen, heißt für mich, mich um sie zu bemühen, um sie zu kämpfen, mich für sie einzusetzen. Das tue ich – zumindest verstehe ich mich und meine Arbeit so.

Janina Loh, 36, Technikphilosophin und kritische Posthumanistin an der Universität Wien

Was tust du?

Lustwandeln, Denken, Schreiben.

Was lässt du?

Im Café sitzen.

Was isst du?

Nüsse

Was liest du?

Schöne neue Welt.

Was hasst du?

Coronatests (tun in der Nase weh!).

Was liebst du?

Das Schiksal.

Was nimmst du?

Gerade: Propolisbonbon.

Was gibst du?

Gute Gedanken.

Wohin gehst du?

In den Wald.

Was geht gar nicht?

Fake News, Verschwörungstheorien, Hass, ach, so vieles.

Extrafrage: „Die Wirklichkeit nicht in Ruhe lassen“. Was heißt das für dich?

Eine Welt, die es nicht gibt, kann man auch nicht in Ruhe lassen.

Jörg Bernardy, 38, Philosoph & Autor

Was tust du?

Gute Musik unter die Leute bringen.

Was lässt du?

Jeden weiteren Versuch mit Argumenten gegen Ignoranz und Blödheit anzukämpfen.

Was isst du?

Zur Zeit nur Selbstgekochtes.

Was liest du?

Fürs Herz: Joachim Meyerhoff - Hamster im hinteren Stromgebiet. Für den Kopf: Maja Göpel - Unsere Welt neu denken.

Was hasst du?

Ignoranz und Blödheit.

Was liebst du?

Im Jetzt Hoffen und Sein und nach Vorne Tanzen und Lachen.

Was nimmst du?

Einen großen Anlauf um über diese Zeit zu kommen.

Was gibst du?

Liebe, Liebe, Liebe...

Wohin gehst du?

Heut mit Freuden in meinen Trikont.

Was geht gar nicht?

Die Hoffnung und den offenen Blick verlieren

Extrafrage: „Die Wirklichkeit nicht in Ruhe lassen“. Was heißt das für dich?

Klingt in der momentanen Situation fast a bissl ironisch, wo uns doch grad die Wirklichkeit nicht in Ruhe lässt, oder?

Eva Mair-Holmes, Verlegerin bzw. Frau Trikont

Was tust du?

Essen, trinken und Schlitten fahren, wenn Schnee liegt

Was lässt du?

Mir zu viele Gedanken machen

Was isst du?

Gesundes Essen, aber auch gerne Schnitzel mit Pommes

Was liest du?

Spiegelhefte und ein Buch von Rosamunde Pilcher – Wolken am Horizont

Was hasst du?

Nichts

Was liebst du?

Meine Freundin Anna

Was nimmst du?

Manchmal Kreislauftropfen

Was gibst du?

Ich rede gerne mit anderen Menschen

Wohin gehst du?

Gerne ins Theater – geht aber gerade nicht.

Was geht gar nicht?

Dunkelheit – lange Nächte und kurze Tage.

Extrafrage: „Die Wirklichkeit nicht in Ruhe lassen“. Was heißt das für dich?

Ich arbeite daran, gerne auch mit Freunden.

Fabian Moraw, 22, Schauspieler

Was tust du? 

Motiviere mich gerade durch Arbeit.

Was lässt du?

Viel zu viele wunderbare Möglichkeiten zum Kontakt.

Was isst du?

Wie immer Köstliches am Familientisch.

Was liest du?

Paul Tillich - Protestantismus als Kritik und Gestaltung.

Was hasst du?

Gespräche über alles, was gerade nicht stattfinden kann.

Was liebst du?

Spaziergänge in Sonne und Schnee.

Was nimmst du?

Maximal Aspirin plus C.

Was gibst du?

So viel ich kann: Geschichten, gute Laune, Zeit.

Wohin gehst du?

Immer nach Hause …, um es christlich mit dem alten Romantiker zu sagen.

Was geht gar nicht?

Gewalt und Hass nichts entgegen zu setzen.

Extrafrage: „Die Wirklichkeit nicht in Ruhe lassen“. Was heißt das für dich?

Möglichst mit anderen zusammen Soziales neu zu erfinden – das Z’sam in der Theresienstraße z.B.

Thorsten Nolting, 56, Vorstandssprecher Diakonie München und Oberbayern

Was tust du?  

Rumhängen. Es gibt nichts zu tun. Alle sind Zuhause.

Was lässt du?

Die Maske abnehmen.

Was isst du?

Hamburger, T-Bone-Steaks, Proteinshakes. In der Reihenfolge.

Was liest du?

Meinen Lieblingsphilosophen Thomas Nagel. Nach wie vor unübertroffen. Und ich versteh immer noch kein Wort.

Was hasst du?

Ben Affleck.

Was liebst du?

-

Was nimmst du?

Ich hab mir gerade über die Weihnachtstage ein Disney+-Abo gegönnt und alle Marvel-Superheroes-Filme in chronologischer Reihenfolge weggebingt. Völlig unrealistischer Quark.

Was gibst du?

Wie immer: Alles. Alles, was ich geben kann. Es reicht nicht.

Wohin gehst du?

I don´t.

Was geht gar nicht?

Aufgeben.

Extrafrage: „Die Wirklichkeit nicht in Ruhe lassen“. Was heißt das für dich?

Es ist immer viel, viel einfacher, alles einzureißen, als auch nur das Geringste aufzubauen. Drum schmeißen Kinder ja so gerne Bauklötzchentürme um. Es ist ein unentrinnbares Gesetz moralischer Entropie, und egal, wie sehr wir es versuchen, am Ende steht immer Chaos, Einsamkeit, Krieg, Krankheit, Tod. Es hilft nichts: Wir müssen es trotzdem versuchen, immer wieder und immer weiter. Man muss sich Scheiternde als glückliche Menschen vorstellen. 

Bruce Wayne, 81 Jahre, Teilzeit-Millionär

Was lässt du?

Die sinnvolle Auseinandersetzung mit mir und meinem Verhältnis zur Welt.

Was isst du?

Erdnussbutter.

Was liest du?

Richard Russo Shitshow.

Was hasst du?

Trump.

Was liebst du?

Dich.

Was nimmst du?

Gerade: Kopfschmerztablette.

Was gibst du?

Schlechte Noten.

Wohin gehst du?

Heute mal zum Temma.

Was geht gar nicht?

Asi geht gar nicht.

Extrafrage: „Die Wirklichkeit nicht in Ruhe lassen“. Was heißt das für dich?

Macht mich traurig. Weil ich das Gefühl habe, die Wirklichkeit gerade total in Ruhe zu lassen.

Europia K. Tweed, 42, Freischaffende

Was tust du?

Arbeiten, arbeiten, arbeiten

Was lässt du?

Socialmedia

Was isst du?

Die Köstlichkeiten vom Steveshof

Was liest du?

Das Ende der Evolution (Matthias Glaubrecht)

Was hasst du?

Die Donaldisierung

Was liebst du?

Immer mehr in meinem Umfeld

Was nimmst du?

Energie

Was gibst du?

Alles, am liebsten

Wohin gehst du?

Nach vorne, vorzugsweise

Was geht gar nicht?

Dass gefühlt alles geht/durchgeht

Extrafrage: „Die Wirklichkeit nicht in Ruhe lassen“. Was heißt das für dich?

Dranbleiben, sich positionieren, vernehmbar sein

Volker Weiß, 53, Tischler

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